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ZSO UZE im Toggenburg

Erschienen am: Di, 16.12.2014 · Erschienen in: Tagblatt

Zivilschutz betreut Asylsuchende

Die Organisation ist straff, die Stimmung gut: Soldat Michael Dörig (links) und Korporal Patrick Kunz bei der Aufgabenzuteilung für den Tag im Asylzentrum Weiher. (Bild: pd)

Die Zivilschutzorganisation Uze wurde beauftragt, einen Betreuungseinsatz für das Migrationsamt des Kantons im Asylzentrum Weiher in Alt St. Johann zu leisten. Für die Zivilschutzleistenden ist es eine vielseitige Herausforderung.

CLAUDIO BÜTLER

 

UZWIL/ALT ST. JOHANN. Wie klein die Welt plötzlich werden kann, zeigt der Regierungsratsbeschluss vom September. Aus einer peripher wahrgenommenen Krise im Ausland wird für die Zivilschutzorganisation (ZSO) Uze ohne lange Vorlaufzeit ein dauerhafter Einsatz. Der Betreuerzug muss sich auf eine Ernstfallsituation einstellen und vom 27. November bis 28. Dezember durchgehend über die Festtage den Dienstbetrieb im Asylzentrum Weiher in Alt St. Johann sicherstellen. Die Herausforderungen, die sich in diesem Einsatz organisatorisch, sozial, persönlich und psychologisch stellen, sind nicht zu unterschätzen.

So muss die ZSO Uze in die Bresche springen und in einer alternierenden Teamzusammensetzung den Dienstbetrieb im provisorischen Asylzentrum gewährleisten. Dabei stehen sie vor Herausforderungen wie das Zusammenleben organisieren, auf persönliche Bedürfnisse eingehen, medizinische Erstversorgung gewährleisten und die Asylsuchenden bei Behördengängen beraten und unterstützen.

Essen und Termine organisieren

Für die Dienstleistenden bedeutet dies, dass sie frühmorgens mit dem Mannschaftswagen nach Alt St. Johann über-führt werden und schnell Aufgaben innerhalb des Asylzentrums übernehmen müssen. Die Asylsuchenden selbst sind an diese Strukturen gewöhnt und übernehmen verschiedene Aufgaben, die dem Zusammenleben dienen. Der Rapport der Nachtwache am Morgen führt zur Übergabe der Verantwortung an den Zivilschutz. Danach wird ein Zivilschutzsoldat zur Organisation des Morgenessens abgestellt. Einige Asylsuchende über-nehmen die Zubereitung. Zum Frühstück treffen die Betreuten zu unterschiedlicher Zeit ein. So entsteht ein Kommen und Gehen während mehr als einer Stunde. Gleichzeitig sind im Büro zwei bis drei Dienstleistende damit beschäftigt, die Post zu bewältigen, Nachträge im internen System vorzunehmen, Termine bei Ärzten zu organisieren oder Einzelgespräche bezüglich persönlicher Anliegen zu führen. Im Nebenzimmer wird von zwei weiteren Soldaten das Nachmittagsprogramm geplant.

Entweder bieten die Zivilschutzleistenden Deutschlektionen an oder organisieren eine Aktivität in der unmittelbaren Umgebung. So können interessierte Asylsuchende Einblick in das lokale Gewerbe oder einen Landwirtschaftsbetrieb erhalten, sportlichen Aktivitäten nachgehen oder kulturelle Wanderungen unternehmen.

Einblick in die Schweizer Kultur

Im Vordergrund steht dabei einerseits, Einblick in unsere Kultur zu erhalten, gleichzeitig aber auch Fähigkeiten zu vermitteln, die den Asylsuchenden bessere Möglichkeiten bei einer Rückkehr in die Heimat ermöglichen. Der Eintönigkeit entgegenzuwirken, ist eine herausfordernde Aufgabe. Es stehen sehr wenige finanzielle Ressourcen zur Verfügung, und es muss das Interesse für eine Aktivität geweckt und eine reibungslose Durchführung organisiert werden. Immer wieder findet sich jedoch in der Bevölkerung jemand, der die Zivilschutzleistenden nach einer Anfrage gerne unterstützt und einen Einblick in unsere Lebenskultur ermöglicht. Je nach Aktivität ist die Teilnehmerzahl stark schwankend.

Schwierige Verständigung

Grösstenteils stammen die Asylsuchenden aus krisenerschütterten Gebieten wie Eritrea, Nigeria oder Mali. Andere haben ihre Wurzeln in Sri Lanka, Afghanistan oder dem Iran. Die Betreuer der ZSO Uze versuchen, sich in einem Sprachenmischmasch mit jenen zu unterhalten, welche einen Austausch suchen. Nicht immer ist die Verständigung einfach, manchmal gelingt sie nicht. Viele der Asylsuchenden sind noch immer im Überlebensmodus und nehmen nach einem reichhaltigen Mittagessen – in der Befürchtung, dass es kein Essen mehr gibt – lieber noch ein paar Brotscheiben mit.

Einige Männer und Frauen wirken scheu und eingeschüchtert, einige andere glauben, die Regentschaft übernehmen zu können. Manchen sind die traumatischen Erlebnisse in tiefen Gesichtsfurchen anzusehen, oft sind sie über jede Hilfe ausserordentlich dankbar. Einige haben Freude daran, dass sie im Deutschkurs das Begrüssungswort gelernt haben und verpassen es nicht, bei jeder Gelegenheit ein «Grüezi» anzubringen.

Achterbahn der Gefühle

Andere sind wählerisch, wenn sie sich über kalte Füsse beklagen und mit dem Aussehen eines Winterschuhs nicht zufrieden sind. Es ist nicht zu unterschätzen, welchen Gefühlen die Zivilschutzleistenden manchmal innerhalb weniger Minuten ausgesetzt sind. Hier prallen Kulturen, Glaubensrichtungen, Einstellungen und Werthaltungen aufeinander, und alles muss in einem kunterbunten Durcheinander einer geregelten Ordnung nachgehen. Manchmal führt dies auch zu Situationen mit aggressivem Potenzial, so dass der Zivilschutz oder die Sicherheitsbehörde und manchmal auch die Polizei intervenieren müssen.

Der Autor dieses Artikels ist beim ZSO Uze Zugführer Betreuung.
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